Grossartige Landschaft auf Bohol

02.-07. Februar

Am frühen Morgen des 02. Februar nahm ich die erste Fähre um 5h45 zurück nach Batangas, um dann per Bus nach Manila und wiederum weiter per Flieger nach Cebu zu fliegen. In Batangas angekommen musste ich zuerst die diversen Taxifahrer abschütteln, die mich (selbstverständlich) zum Super-Spezialpreis nach Manila fahren wollten (es handelt sich hierbei um eine zweistündige Autofahrt!), da laut ihrer Aussage der Bus sowieso erst in drei Stunden fahren würde. Mein Bus fuhr natürlich direkt ab. So früh morgens hätte ich gern noch etwas geschlafen – daraus wurde jedoch wegen des zu laut gestellten Action Films auf dem Bus-TV leider nichts; nicht zuletzt störend wirkte sich auch der Hahn aus, der drei Sitzreihen hinter mir im Korb transportiert wurde und sich alle paar Minuten lautstark zu Wort meldete. Trotz meiner dreistündigen Pause in einem Fast Food Restaurant in Manila, da ich meinen Monster-Rucksack nicht durch die Mittagshitze und das Verkehrschaos schleppen wollte, war ich drei Stunden vor Abflug am Flughafen und wurde auf den vorherigen Flug umgebucht, da mein ursprünglich gebuchter Flug mit grosser Verspätung erwartet wurde. So war ich also am frühen Abend bereits in Cebu City. Mein Hostelzimmer teilte ich mir mit einer geschätzt Mitte-50-Jährigen Philippinerin aus Manila, die bis zu ihrer Ankunft nicht wusste, dass sie ein geteiltes Zimmer gebucht hatte und etwas geschockt war, mit einer anderen Person das Zimmer teilen zu müssen. Nach einigen Minuten Gespräch taute sie jedoch sehr schnell auf und schenkte mir sogar ihren Tiger Balm, um meinen «verstauchten» Fuss zu versorgen. Vielleicht lag es daran, dass sie aus der eher gefährlichen Hauptstadt Manila kam; jedenfalls hatte sie so viel Angst, dass fremde Leute in unser Zimmer kämen, dass jedes Mal die Tür abgeschlossen wurde, wenn ich das Zimmer auch nur für drei Minuten verlassen wollte. Zur Nacht hin musste ich sie überzeugen, dass es besser sei, im Dunkeln zu schlafen. Am Ende einigten wir uns darauf, dass wir mit offener Tür zum erleuchteten Badezimmer schlafen würden.

Nach der kuriosen Nacht ging es für mich weiter per Fähre nach Bohol, genauer gesagt Tagbilaran, wo ich die nächsten zwei Tage verbrachte, die Stadt anschaute und das Jeepney-Fahren (Jeepney = öffentlicher Bus) für mich entdeckte. Für eine 15-Kilometer Jeepney-Fahrt sollte man zwei Stunden einplanen und so ging die Zeit in Tagbilaran sehr schnell um. Unter anderem fuhr ich zum Tarsier Sanctuary, ein kleines Wald-Gehege, das fünf «Tarsiers», zu deutsch Koboldmakis (vom Aussterben bedrohte Mini-Primaten) mit grossen, neugierigen umherguckenden Augen beherbergt. Eigentlich hatte ich geplant, von Tagbilaran zu den Chocolate Hills zu fahren, im besten Fall mit anderen Hostelleuten auf dem Scooter. Die Chocolate Hills ist eine märchenartige Landschaft mit grasbewachsenen Hügeln, die sich wie aus dem Nichts kommend, aneinanderreihen.  Da es im Hostel aber keine anderen Alleinreisenden gab, die sich mir anschliessen wollten und ich schon am nächsten Tag auf die nahegelegene Insel Panglao Island zog, beschloss ich diesen Plan zu vertagen.

In Panglao Island angekommen, fand ich immer noch keinen, der sich mit mir per Scooter zu den Chocolate Hills aufmachen wollte; also machte ich die Tagestour am Ende kurzerhand allein. Da ich mich in den Kilometern verkalkuliert hatte, knackte ich mit 150 Kilometern an diesem Tag meinen persönlichen Scooter-Kilometer-Rekord und kehrte erst im Dunkeln zurück. Die Landschaften auf dem Hin- und Rückweg waren für mich fast atemberaubender als die Chocolate Hills selber, sodass ich die sehr anstrengende Fahrt trotzdem nicht bereute. Abends sass ich noch länger mit Kesley und Lauren zusammen und bereitete mich gedanklich auf meinen Tauchgang nach Balicasag Island vor, den ich für den nächsten Tag gebucht hatte.

Am nächsten Morgen wachte ich mit leichtem Halskratzen auf. Da ich aber ansonsten noch keine Erkältungsanzeichen verspürte, entschied ich mich trotzdem für den Tauchgang (schliesslich war ich extra für’s Tauchen hierhergekommen). Nachdem es in der Tauchschule erst geheissen hatte, dass ich mit zwei Chinesen in einer Gruppe tauchen würde, war ich sehr begeistert zu hören, dass ich meinen eigenen Tauchlehrer bekommen würde. (Wenn Chinesen sich unter dem Wasser so verhalten, wie sich die Touri-Mehrzahl von ihnen über Wasser verhält, kann das Tauchen schnell gefährlich werden… Diese Aussage wurde durch einen Tauchlehrer bestätigt.) Unsere zwei Tauchgänge waren durch eine wirklich schöne Unterwasserlandschaft, in der ich endlich meine ersten (insgesamt zehn!) Schildkröten zu Gesicht bekam. Mein 70-jähriger (!) Tauchlehrer Tony war sehr nett und erfahren und half mir, während den Tauchgängen mein Gleichgewicht besser zu kontrollieren, somit sicherer zu werden und meinen Sauerstoffverbrauch zu optimieren. Ich kam also sehr stolz zurück aus dem Wasser; das absolute «Tauch-Fieber» hat mich allerdings immer noch nicht gepackt.

Pünktlich zum Flug- und Abreisetag wachte ich am nächsten Morgen mit einer fetten Erkältung auf. Der Tricycle-Fahrer zum Flughafen schien zu ahnen, dass mit mir nicht mehr viel anzufangen war und lieferte mich (zum ersten Mal) ganz ohne Preisdiskussionen am Flughafen ab. Am Flughafen gönnte ich mir eine Spargelcreme-Suppe, die mich magendarmtechnisch für die nächsten sieben Tage beschäftigen sollte (Merke: Esse in Asien nie etwas, das Sahne enthalten könnte. Das war auch bei meiner ersten Immodium Akut Zwangspause schon der Auslöser gewesen.) Mit Übelkeit und Hitzewallungen stieg ich in den Flieger zurück nach Manila, von wo am folgenden Tag dann mein Flug nach Myanmar ging.

Der Tauch-Mekka Puerto Galera

30. Januar – 01. Februar

Früh morgens kam ich in Manila an, mal wieder angewiesen auf ein Taxi zum anderen Busunternehmen, das mich zum zweieinhalb Stunden entfernten Fähr-Terminal in Batangas, südlich von Manila, bringen sollte. Nach den weitestgehend stromlosen Tagen in Banaue und den zwei Nachtbusfahrten hatten mein Handy und Laptop nun doch den Geist aufgegeben und ich hatte keine Möglichkeit zu checken, wie weit es zum anderen Busunternehmen wäre. Der mir vom Busunternehmen offiziell vermittelte (!) Taxifahrer konnte erst nach dreimaligen Nachfragen eine Zeitangabe von geschätzten 30 Minuten machen, da dies stark verkehrsabhängig wäre und morgens schliesslich sehr viel Verkehr sei. Nach Vereinbarung eines Festpreises fuhren wir los. Als er merkte, dass ich meine Uhr beobachtete, fiel ihm auf einmal auf, dass heute ja Samstag sei und daher so gar kein Berufsverkehr… Er fuhr durch mehrere Seitenstrassen und kreuzte die Hauptstrasse, die beide Busunternehmen verbindet, mehrmals, um etwas Zeit zu schinden, aber es nützte alles nichts – nach ganzen sechs Minuten waren wir bereits da und ich fühlte mich gehörig verar…t, da ich 250 pesos, umgerechnet fast 5 Euro, bezahlt hatte (für diesen Preis kann man hier im Normalfall eine gute Stunde Taxi fahren). Ich ärgerte mich über meine Dummheit und nahm mir vor, nie wieder ohne geladenen Handy-Akku in ein Taxi zu steigen, aber vor allem nie wieder zu einem Festpreis in ein Taxi zu steigen.

Der Bus zum Fähr-Terminal in Batangas war schnell gefunden und als ich dort in der Schlange stand, um mein Fährticket zu kaufen, hörte ich vor mir zwei Mädels Deutsch sprechen. Da ich seit den Reisterrassen keine nicht-asiatischen Touristen mehr getroffen hatte und auch sonst mit niemandem gross gesprochen hatte, sprach ich sie begeistert an. Die Überraschung war gross, als sie sich umdrehten – es waren zwei Mädels aus der Gruppe, mit denen ich in Banaue zum Abendessen war. Mit Josy und Lara, zwei Schwestern, ging ich auf die anderthalb-stündige Fähre nach Sabang, Puerto Galera. Dort angekommen, wurden wir von einer Gruppe von Gasthaus-Inhabern umzingelt und teils einige hundert Meter verfolgt, die uns dazu bewegen wollte, in ihrem Gasthaus zu übernachten. Nachdem wir etwa einen Kilometer mit unseren Rucksäcken in der Hitze zurückgelegt hatten und noch kein passendes, halbwegs günstiges Zimmer gefunden hatten, willigten wir irgendwann entnervt ein und folgten einem Gasthausbesitzer durch mehrere Gassen zu seinem Gasthaus. Das Doppelzimmer, das wir uns zu dritt dank zusätzlicher Matratze teilten, wurde nur für eine Nacht unsere Unterkunft, da die Dusche mangels Wasserdruck nicht wirklich funktionierte. Kein Problem für mich… meine letzte Dusche war schliesslich dank der zwei aufeinanderfolgenden Busnachtfahrten mittlerweile erst vier Tage her…. 😉 Noch am Nachmittag machten wir uns auf die Suche nach einer Tauchschule.

Das kleine Sabang, im Lonely Planet als Tauch-Mekka beschrieben, verfügt über geschätzte zwanzig Tauchschulen, die allesamt wie ausgestorben wirken. Stattdessen ist der Ort voller – Entschuldigung – ekelhafter und meistens stark übergewichtiger Männer zwischen sechzig und achtzig Jahren, die auf der Suche nach oder bereits in Begleitung junger, philippinischer Mädels waren. Ohne Josy & Lara hätte ich es hier wahrscheinlich keinen vollen Tag ausgehalten. Während unserer Zeit in Sabang sahen wir nur eine Handvoll normaler Tauch-Touristen und wir fragten uns die folgenden Tage häufiger, ob wir im Lonely Planet etwas überlesen hatten.

Für die folgenden zwei Tage buchten wir drei Tauchgänge, den ersten nach West Escarceo, der der Tauchschule vor allem dazu diente, unser Tauchkönnen besser einzuschätzen und uns auf eine mögliche Strömung vorzubereiten. Den Nachmittag verbrachten wir am White Beach. Der zweite und dritte Tauchgang an folgenden Tag ging zum absoluten Tauch-Hotspot der Region, nach Verde Island. Der Tauchspot ist an einem 70 Meter tief abfallenden, mit Korallen und buntem Unterwasserleben gespicktem Felsen, den man (je nach Strömung möglichst nah) umtaucht, um nicht abgetrieben zu werden. Nach dem Rückwärts-Salto aus der Banka (so nennen sich die nicht so tief gebauten philippinischen Taucherboote mit hölzernen Auslegern) gilt es hier, möglichst schnell die ersten Meter herunterzutauchen, da sehr starker Wellengang herrscht und man sonst Gefahr läuft, von den Auslegern des Boots eine Kopfnuss zu bekommen oder abzutreiben. Im zweiten Tauchgang wurden wir direkt auf 28 Meter Tiefe gejagt. Das bekam ich zum Glück erst später mit, da ich in der Hektik (ja, die Tauchschule war nicht unbedingt empfehlenswert…) den Tauchcomputer in der BCD-Tasche vergessen hatte.

Die Besonderheit des Tauchens bei Verde Island im Vergleich zu Kambodschas Unterwasserwelt war hier natürlich um einiges mehr an Korallen, Fischschwärmen, Nacktschnecken, Seeschlangen (und vieles mehr, dass ich als Anfängerin leider nicht benennen kann… 😉 zu sehen. Besonders die Mini Nemo-Fische, jaja… korrekt natürlich «Anemonenfische» haben mein Herz erobert, aber die totale Euphorie, die einige Mittauchende dort nach ihrem zweitausendsten Tauchgang zeigten, konnte ich bisher noch nicht entwickeln.

Die Reisterassen oder «you need a guuuuiiiiide…?»

26.-28. Januar

Am 26. Januar kam ich nach einer langen, anstrengenden und schlaflosen Nachtbusfahrt von Manila im verregneten Banaue an (herzlichen Dank an meinen robust gebauten Sitznachbarn, der meinen Platz zur Hälfte mitbelegte und fast durchgehend wie ein Baby schlief). Dank der Klimaanlage im Bus, die hier meist auf geschätzte 15 Grad eingestellt wird, angeblich damit der Fahrer bei langen Busfahrten nicht wegnickt, hatte ich trotz meiner Jacke leichtes Halskratzen. Angesichts der Tatsache, dass ich vor allem wegen des Tauchens auf die Philippinen wollte, hätte eine Erkältung meine komplette Planung vernichtet. Nach dem Frühstück und einer Notfall-Erkältungs-Medikamenten-Dosis entschied ich mich also, mich erstmal schlafen zu legen und den ganzen penetranten und aufdringlichen Touren-Verkäufern zu den Reisterassen zu trotzen.

Man kann hier in Banaue ungelogen keine 10 Meter gehen, ohne von einem Tricycle-Fahrer oder Touren-Verkäufer angesprochen zu werden («Rice fields, Ma’am???»), geschweige denn auf eine Karte schauen, um die Wanderung für die nächsten Tage zu planen. Für jede noch so kleine Wanderung wird einem nahegelegt, einen Guide zu buchen; allerdings hatte ich wenig Lust, eine zwei Tages-Tour alleine mit einem philippinischen Guide anzutreten. Andere Backpacker zu finden, mit denen ich gemeinsam eine Tour antreten hätte können, schien an diesem Tag unmöglich. Nach dem Mittagessen entschied ich mich für eine einstündige Regen-«Wanderung» zum Haupt-Aussichtspunkt auf die Banaue Reisterassen. Je höher ich kam, desto schlechter wurde die Aussicht und ich konnte leider nur erahnen, wie atemberaubend die Aussicht auf die Reisterrassen bei schönem Wetter sein muss. Zurück im Gasthaus traf ich auf eine Gruppe junger Deutscher, derzeit im Studien-Auslandssemester in China, wie sich später herausstellte, mit denen ich zu Abend essen ging.

Auch am nächsten Morgen war die Suche nach anderen Mitreisenden aussichtslos und ich entschied mich für einen Tag Trekking ohne Guide und Übernachtung in Batad, ein kleines Dorf in den Reisterrassen, und eine Führung durch das benachbarte Bangaan am folgenden Tag. Im Jeepney nach Batad traf ich dann auf zwei Spanierinnen und ein französisches Pärchen und in der Gruppe beschlossen wir, das Trekking zum Aussichtspunkt und zum Wasserfall durch die Reisterrassen alleine zu bestreiten, nachdem wir unten im Dorf eine Unterkunft gefunden hatten. Gleich zu Anfang trafen wir auf einen Guide, der sehr empört darüber war, dass wir keinen Guide gebucht hatten und uns aus Rache gleich mal in die falsche Richtung schickte (das ist hier leider ganz normal…). Nach etwa einer Stunde Hardcore-Trekking und «Treppensteigen» durch die Reisterrassen erreichten wir den Aussichtspunkt und später am frühen Nachmittag den Wasserfall. Auf dem Rückweg knickte ich durch eine dumme Unachtsamkeit um, verstauchte mir den Fuss* und erinnerte mich daran, wie mir der Globetrotter-Verkaufsberater erklärt hatte, dass der Vorteil meiner halbhohen Wanderschuhe sei, dass ich damit nicht umknicken könnte…(?). Gefühlt viel zu früh war ich im Gasthaus zurück, einer dieser Orte, an denen man sich sehnlichst ein Buch herbeiwünscht, da es nichts Anderes zu tun gibt. Leider hatte ich beim Packen für den Tagesausflug aufgrund der anstehenden Wanderung nur das Allernötigste mitgenommen und eine Handy-Ladung aus der Steckdose musste hier teuer erstanden werden; davon abgesehen gab es natürlich auch kein Wifi. Also genoss ich das Nichtstun und die Aussicht auf die Reisterrassen bei einem kühlen, wohlverdienten Bier (in erster Linie das kühle Bier natürlich, um meinen angeschwollenen Fuss zu kühlen… :). Karol, die Spanierin, die im gleichen Gasthaus einquartiert war, kam später zum Abendessen dazu.

Am nächsten Morgen machte ich mich früh alleine auf dem Rückweg aus Batad, bergauf zum vereinbarten Treffpunkt mit meinem Guide Kevin, der mir das benachbarte Dörfchen Bangaan zeigen sollte. Durch meine Verstauchung am Vortag hatte ich vorsichtshalber viel zu viel Zeit eingeplant; zusätzlich war mein Guide beziehungsweise der von ihm geschickte Ersatz, sein Cousin Denali, eine halbe Stunde verspätet, sodass ich anderthalb Stunden am Treffpunkt wartete, natürlich unter ständiger, kritischer Beobachtung der Einheimischen. Als mein Ersatz-Guide ankam, hatte er leider keine Ahnung, dass ich eine Führung durch Bangaan «gebucht» hatte; nach fünf Minuten Diskussion, bei der mir ein Einheimischer als Dolmetscher zur Hilfe kam, erklärte sich Denali aber dazu bereit. Die Fahrt in seinem Tricycle (der philippinische Tuk Tuk Ersatz – ein Motorrad mit einem fachmännisch, sicherlich unter hohen Qualitätsstandards verschweisstem Beiwagen, muhaha) dorthin war eine echte Erfahrung, speziell auf der Dirt Road und an den starken Steigungen, an denen ich nur darauf wartete, dass der Motor mit einem lauten Knall explodieren würde. Die kleine, etwa zweistündige Wandertour hinunter ins Dorf nach Bangaan und zurück war landschaftlich sehr hübsch, aber stellte meinen Gleichgewichtssinn (speziell mit dem jetzt «verstauchten» Fuss) mehrmals auf die Probe, besonders auf den immer dünner werdenden Reisterrassen-Abgrenzungen.

Als wir nach etwa einer Stunde Fahrt zurück in Banaue waren und ich mich beim Mittagessen erholt hatte, begann ich die Preisverhandlung für eine Nachmittags-Tour zur Hapao Hot Spring. Mein Guide Kevin, der mir am Vortag die überteuerte Tour nach Batad und Bangaan verkauft hatte, lernte mich und mein Verhandlungsgeschick nun richtig kennen. Ich freute mich allerdings nur solange über meinen Verhandlungserfolg, bis wir nach einer einstündigen Tricycle-Fahrt beim Hapao Ausgangspunkt ankamen und er mir vor Ort eröffnete, dass die Guide-Leistung (etwa anderthalb Stunden Hin- und Rückwanderung zur Hot Spring) nicht im Preis inbegriffen war und ich dafür umgerechnet zusätzliche 5 US-Dollar zahlen sollte. Nun verstand ich auch, warum sein Cousin (spezialisiert auf die Hot Spring, was er mir am Morgen erzählt hatte) mitgekommen war. Die beiden guckten nicht schlecht, als ich sagte, dass ich in diesem Fall keinen Guide bräuchte und einfach davonzog. An der ersten Gabelung, an der ich nicht wusste, welche Richtung ich einschlagen sollte, kamen mir die Zweifel, ob es eine so gute Idee war, den Weg allein zu bestreiten. Vor allem war ich mir nicht sicher, ob Kevin und Denali nach meinem schnellen Abgang auf mich warten würden. Schliesslich hatte ich für den gleichen Abend noch den Nachtbus gebucht und war darauf angewiesen, relativ zügig zurück nach Banaue zu kommen. Mit ein bisschen Kreativität, nach dem Weg-Fragerei bei den Reisterrassen-Arbeiterinnen und zwei bis drei Umwegen fand ich am Ende mit 10 Minuten Verspätung die Hot Spring, bei der ich durch grossen Zufall auf das französische Pärchen traf, mit denen ich am Tag zuvor durch Batad gewandert war. Nachdem ich ein kurzes Bad in den Quellen genommen hatte, traten wir gemeinsam den Rückweg an und siehe da – Kevin und Denali hatten auf mich gewartet; schliesslich wollten sie wohl ihr Geld haben. Die Stimmung auf der Rückfahrt war entsprechend abgekühlt und ich war froh, sicher zurück in Banaue zu sein und meinen Nachtbus nach Baguio zu nehmen.

* Zumindest dachte ich das zu diesem Zeitpunkt. Als ich nach 5 Wochen Schmerzen und Instabilität endlich in Australien zum Arzt ging, stellte sich die selbst diagnostizierte Verstauchung leider als partieller Bänderriss heraus… :-/

Kulturschock in Manila

24.-25. Januar

Die Wettervorhersage bewahrheitete sich für den Morgen des 24. und meines Abflugs. Ein Regensturm brachte unsere kleine Propellermaschine von Luang Prabang nach Bangkok ordentlich zum Schütteln, und mich zum Zittern. Die Tatsache, dass mich die Stewardess stark geschminkt an das «Es» von Stephen King erinnerte, machte es nicht besser. Auf dem Flug von Bangkok nach Manila hatte ich einen chinesischen Sitznachbarn aus Shanghai, der mir stolz erzählte, dass er für Beiersdorf arbeitete und letztens ins Hamburg gewesen sei.

Bei meiner abendlichen Ankunft und Taxifahrt durch die 12 Millionen-Einwohner-Stadt Manila überkam mich ein riesiger Kulturschock. Riesige Hochhäuser, überall Leuchtreklame, sechsspurige Strassen, drei Seiten Hostel-Konditionen zum Unterschreiben, eine Hostel-Quittung, biologisch abbaubare Papptüten im Kiosk, Mülltrennung, der Fakt, dass ich vor dem Hostel-Eingang nicht meine Schuhe ausziehen musste,… all das überforderte mich total nach meinen fünf supermarktlosen und im Vergleich annähernd zivilisationslosen Wochen in Kambodscha und Laos. Das einzig Positive, was ich von meiner Ankunft Erinnerung habe, war, dass sämtliche Hinweise, Schilder, Werbungen endlich lesbar für mich wurden; in den meisten Fällen sogar verständlich, da in Englisch verfasst. Wahrscheinlich bedingt durch die Kolonialzeit unter den Amerikanern ist hier Englisch sehr verbreitet und macht die Verständigung für mich sehr viel einfacher als in Kambodscha und Laos.

Manila ist keine Stadt, in der man im Normalfall freiwillig länger bleibt als unbedingt notwendig. Sicherheitsmänner vor dem Hostel, bewaffnete Sicherheitsmänner vor jeder Bank sowie flughafenartige Sicherheitskontrollen in jeder Shopping Mall verdeutlichen einem, wie gefährlich die Stadt doch scheinbar ist. Als Fussgänger ist Manila praktisch unpassierbar (sollte es mal einen Bürgersteig geben, ist er zugeparkt) und man ist durchgängig auf’s Taxi angewiesen, da man als Touri praktisch keine Chance hat, das wirre Jeepney-Netz (so nennen sich hier die öffentlichen Busse) quer durch Manila zu durchschauen. Das Chaos auf den Strassen wird perfekt durch meist kontinuierlichen Stau, fast egal zu welcher Tageszeit. Für eine Taxi-Fahrt von 10 Kilometern sollte man also etwa eine Stunde Fahrtzeit einplanen. Nicht einfacher macht es, dass scheinbar kein Taxifahrer Karte lesen kann. Ein Navi besitzt selbstverständlich auch niemand, sodass es manchmal ein echtes Kunststück ist, einen Taxifahrer zu finden, der erstens weiss, wohin man will, zweitens bereit ist, einen dorthin zu fahren und drittens bereit ist, dies zum Standard-Taximeter-Preis zu tun.

Mein erstes Taxi-Ziel am nächsten Morgen war also ein Busterminal, um mein Nachtbusticket zu den Reisterrassen in den Norden zu kaufen. Danach steuerte ich eine Shopping-Mall an, wo ich den Rest des Tages mit einer Marktanalyse diverser philippinischer Dienstleistungen verbrachte, bevor ich abends erneut Richtung Busbahnhof und Banaue fuhr.

Luang Prabang und die spontane Sause…

20.-23. Januar

In Luang Prabang angekommen traf ich auf Mareike, eine Deutsche, die ich unterwegs bereits mehrmals auf Don Det und im Bus aus Mondulkiri gesehen hatte, mit der ich erschreckend viele Gemeinsamkeiten habe, wie sich in den folgenden Tagen herausstellte. Nachdem wir im Hostel eingecheckt hatten, gönnten wir uns ein hervorragendes, westliches Frühstück (endlich mal wieder Joghurt-Müsli mit Obst!) und besuchten im Anschluss die «wichtigsten» Touri-Tempel der Stadt. Für den ehemaligen Royal Palace, in dem bis 1959 der König Sisavang Vong residierte und der nun zu einem Museum umfunktioniert ist, kamen wir nachmittags etwas zu spät und wurden nicht mehr reingelassen. Nachdem mir beim Einschliessen unserer Kameras (die dürfen nicht mit hineingenommen werden…) die Tür eines Lockers auf den Fuss geknallt war und ich die nächsten Minuten erst einmal humpeln musste, war mir der Palast dann sowieso so unsympathisch, dass ich auch die folgenden Tage nicht mehr zurückkehre.

Am nächsten Tag fuhr ich mit einer gebuchten Tour zu den beeindruckenden & paradiesischen Kuang Si Wasserfällen. Noch paradiesischer wäre es vielleicht ohne die Touristenmassen gewesen. Am Abend reichte es zeitlich gerade noch für meine allererste Yoga-Stunde mit Aussicht auf den Mekong-Fluss. Definitiv etwas, was ich in den nächsten Wochen und Monaten, vielleicht in Indonesien, nochmal aufnehmen möchte. Aufgrund fehlenden Wifis war die Abstimmung mit Mareike bezüglich unserer Abend- und ihrer «Geburtstags»-Planung leider unmöglich. Der Zufall wollte es zum Glück, dass wir uns in Luang Prabangs «Fress-Gasse» in die Arme liefen und so den Abend mit Krimo, einem Franzosen, essend und trinkend verbrachten. Da um 23 Uhr alle Bars schliessen (in Laos herrscht ab 23h30 Sperrstunde und man sollte sich nicht mehr auf der Strasse herumtreiben), begaben wir uns auf die Suche nach einer lokalen Bar, die sich leider bei Ankunft als geschlossen herausstellte. Wir feierten Mareikes Geburtstag mit einem Bier in einer Art Strassenkneipe (erkennbar durch eine Ansammlung von bunten Plastik-Kinderstühlen und -tischen, auf denen die Laoten sitzen und quatschen), bevor ich den Rückweg Richtung Hostel ansteuerte.

Während meinem Aufenthalt in Luang Prabang wurde ich ausserdem Stammgast auf dem riesigen Nachtmarkt, auf dem es die typischen Touri-Mitbringsel zu kaufen gibt. Bisher hatte ich das Verhandeln absolut gehasst, aber in Luang Prabang entdeckte ich meine absolute Verhandlungsleidenschaft und entwickelte fast einen Sport daraus, von Stand zu Stand zu gehen und den absolut besten Preis herauszuschlagen. Es ging sogar so weit, dass mich andere Mitreisende baten, für sie zu verhandeln. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, wie mir mein neu erlerntes Verhandlungsgeschick auf den Philippinen zur Gute kommen würde.

Am Abend des 22. Januars stand noch das Anschauen des Sonnenuntergangs über Luang Prabang vom Mount Phou Si aus. Da ich gehört hatte, dass sich der Hügel voller Touristen füllen würde, stieg ich sehr früh vor Sonnenuntergang die Treppen hinauf, um mir einen Platz in der ersten Reihe zu sichern. Dass ich schon über eine halbe Stunde wartend dort sass, bevor es allmählich losging, war den später kommenden Touris ziemlich egal und sie positionierten sich selbstverständlich STEHEND vor meiner Bank…

Am Morgen des 23. Januars hatte ich mich mit Mareike zum Almosengang der Mönche verabredet, ein alter Brauch, nach dem im frühen Morgengrauen Hunderte von Mönchen der Reihe nach ihre Tempel verlassen und von am Strassenrand aufgereihten Buddhisten Essensgaben für den Tag erhalten. Pünktlich um 5h30 morgens war ich gewappnet, um mich auf der Hauptstrasse mit Mareike zu treffen. Im Hostel traf ich auf ein anderes Mädel aus den USA, das das gleiche Ziel hatte. Nur das Hostel hatte wohl mit unserem frühen Aufbrechen nicht gerechnet und so war das Tor zur Strasse noch verschlossen. Da wir an der Rezeption niemanden finden konnten und das frühe Aufstehen auf keinen Fall umsonst gewesen sein sollte, blieb uns nur die Möglichkeit, über den einzigen auffindbaren stacheldrahtlosen Meter über das Tor zu klettern, um keine Zeit zu verlieren. Als ich bereits mitten auf dem Tor sass und gerade in der Drehung auf die andere Seite war (wer mich kennt, weiss meinen spärlich ausgebauten Gleichgewichtssinn und meine Höhenangst zu schätzen), kam der aufgebrachte Rezeptionist in der Dunkelheit ans Tor, erteilte uns eine Rüge und schloss das Tor auf, nachdem ich leicht beschämt wieder heruntergeklettert war. Er hatte scheinbar gut versteckt hinter der Rezeption geschlafen (in laotischen Hostels sehr üblich, damit immer jemand erreichbar ist) und war von unserer Kletter-Aktion wachgeworden. Pünktlich zum Almosengang schafften wir es dann noch mit Mareike zum Haupt-Tempel von Luang Prabang; der Almosengang selber war das frühe Aufstehen nicht wirklich wert. Mag es früher noch ein sehr authentischer Brauch gewesen sein, sind dort heutzutage mehr Touristen als Mönche und Buddhisten, die leider keinerlei Respekt zeigen und mit ihren Tablets, fetten Zoom-Objektiven und Blitzen zwischen den Mönchen herlaufen. Die Mönche sahen nicht gerade glücklich über den vielen Rummel aus und Gerüchte besagen, dass sie den Brauch nicht weiter aufrecht erhalten wollen, aber von der Stadt wegen des Touristen-Magnet-Aspekts weiter dazu gezwungen werden. Die Massen von Essen, die ihnen mittlerweile grösstenteils von Touristen gereicht werden, scheinen völlig überdimensioniert zu sein und wir sahen, wie die Mönche an einer Stelle im Vorbeigehen die Spenden, speziell den losen, gekochten Reis einfach in einer Riesen-Tonne «entsorgten». In solchen Momenten fragt man sich schon, ob sich das frühe Aufstehen lohnt oder ob man eher ungewollt Teil einer riesengrossen Theater-Inszenierung geworden ist.

Während meiner letzten Tage in Luang Prabang wurde es dringend Zeit, sich der Planung des nächsten Reiseziels zu widmen. Eigentlich hatte ich ab Ende Januar vier Wochen Neuseeland geplant, davor aber noch etwa eine Woche frei; eine Mehrtageswanderung im untouristischeren Norden von Laos kam angesichts eines drastischen Temperaturfalls auf nur 12 Grad und der Wettervorhersage von Dauerregen während der nächsten Woche nicht mehr wirklich in Frage. Durch die begeisterten Erzählungen meiner Reisebegleitungen während der letzten Wochen inspiriert schmiss ich kurzfristig die Planung auf zwei Wochen Philippinen und zwei Wochen Myanmar um und buchte für den nächsten Tag einen Flug nach Manila, Hauptstadt der Philippinen.

Niedliche Hauptstadt Vientiane

17.-19. Januar

Nach der sehr frühen Nachtbus-Ankunft um sechs Uhr morgens in Vientiane steuerte ich zusammen mit einem englisch-mexikanischem Pärchen als erstes eine «Scandinavian Bakery» an, um zu frühstücken und mich zu sortieren und per Wifi nach einem Hostel zu suchen, das mir ein vorheriger Reisepartner empfohlen hatte. Nachdem ich seit einer gefühlten Ewigkeit keine Backwaren mehr gesehen hatte, war ich begeistert von der Auswahl und kam in den folgenden Tagen mehrmals zurück.

In den drei Tagen Vientiane lies ich es eher ruhig angehen, machte einige Spaziergänge durch die niedliche, mit 350.000 Einwohnern vielleicht kleinste Hauptstadt, die ich jemals gesehen habe, besuchte den Nachtmarkt, erstand meine allererste alternative Yoha-Hose, machte eine Fahrradtour zum sehenswerten Pha That Luang, einem grossen buddhistischem Stupa und dem Nationalwahrzeichen von Laos, und zum Patuxai, einer Kopie des Pariser Triumphbogens, von dem man eine hübsche Aussicht geniessen kann. Spannend wurde es, als dort eine Gruppe junger Thailänder begeistert mit ihrer Kamera auf mich zurannte. Sie wollten alle nacheinander ein Foto mit mir und meinem Fahrrad knipsen. Ich fühlte mich natürlich sehr geehrt, aber bereue im Nachhinein, dass ich im Überraschungsmoment nicht daran dachte, auch selbst ein Erinnerungsfoto zu knipsen. Ausserdem fuhr ich im öffentlichen Nahverkehrs-Bus (eine echte Erfahrung) zusammen mit Arvid, einer schwedischen Hostel-Bekanntschaft, in den Buddha Park, in dem nicht nur eine Menge Buddhas, sondern auch sehr viele andere, fragwürdige Gestalten ausgestellt sind. Am Abend des 19. Januars ging es für mich im nächsten Nachtbus Richtung Luang Prabang. Dieses Mal hatte ich mit meinem eher breiter gebauten, chinesischen Bettnachbarn leider weniger Glück, da er die halbe Nacht lang chinesische Sprachnachrichten empfang und in sein Smartphone brabbelte.

 

 

Roller-Abenteuer auf dem Bolaven Plateau

12.-16. Januar  

In Laos und auch auf meinem jetzigen Spontan-Trip auf die Philippinen und nach Myanmar hatte ich die letzten Wochen leider kaum bis gar kein Internet, wahlweise auch kein Strom, sodass ich leider erst jetzt wieder zum Hochladen meiner Reiseberichte und Fotos komme.

Am 12. Januar kam ich in Pakse, einer Stadt im Süden von Laos an, die als Ausgangspunkt für Touren zum Bolaven Plateau, einer wunderschönen, erkundungswerten Landschaft, dient. Die Ankunft im muffig riechenden Hostelzimmer war sehr ernüchternd, da ich gehofft hatte, auf andere Reisende zu treffen, aber mein Hostelzimmer leer war (definitiv einer dieser Momente, in denen man zweifelt, ob das alleine Reisen eine gute Idee war…). Also lief ich durch die Stadt auf der Suche nach anderen Touris, mit denen ich das Bolaven Plateau erkunden könnte. Nachdem die Touristen-Info sowie der erste Touren-Veranstalter um 16h bereits geschlossen war, kam ich durch Zufall an einem französischen Roller-Verleih und Touren-Veranstalter vorbei, der eine Info-Session für 18h anbot. In meinem Reiseführer wurde von den Rollertouren auf dem Bolaven Plateau geschwärmt und mit der Idee hatte ich schon bei der Planung von zu Hause aus geliebäugelt, wobei mir der Gedanke, fernab von Zivilisation alleine durch die die Landschaft zu rollern, doch etwas zu abenteuerlich vorkam. Wer mich kennt, weiss, dass ich niemals auf einen Roller oder geschweige denn auf ein Motorrad steigen wollte. In Laos gibt es nur die nötigste medizinische Versorgung – von Krankenhaus zu reden, wäre übertrieben, sodass im Notfall nur der Flug nach Thailand bleibt.

Ich liess mich zur Info-Session überreden und traf auf Karen, ein Mädel aus Frankreich, die alleine reisend auf der Suche nach einer Rollertour-Begleitung für die nächsten 3-4 Tage war. Nach der Info-Session schmiedeten wir gemeinsame Pläne für die nächsten Tage, wobei die Verständigung mit meinem eingerosteten Französisch und ihrem – nennen wir es – «basic English» etwas schwierig war. Noch am Abend erklärte uns der nette Herr vom Roller-Verleih den Roller und liess jeden von uns dreimal um den Block Probe fahren. Hätte ich das auch nur annähernd beim Verlassen des Hostels geahnt, hätte ich an diesem Tag sicher keinen kurzen Rock und Flip Flops getragen… 😀 Was soll ich sagen – mit nervositätsbedingt schweissnassen Füssen in Flip Flops sass ich also auf dem Roller, um meine erste Roller-Erfahrung zu sammeln. Nach meiner ersten Runde hatte der Verleih-Typ einen Angestellten hinter mir hergeschickt, da ich für die Um-den-Block-Fahrt mit meinen geschätzten 5 km/h so lange gebraucht hatte, dass er dachte, dass etwas auf dem Weg passiert sei. Die Basics hatte ich nach den drei Runden raus und am nächsten Morgen um 9 Uhr sollte es losgehen.

Beim Verleih trafen wir am nächsten Morgen auf Quentin, einen jungen Franzosen, der die gleiche Tour geplant hatte und sich uns anschloss. Da er Englisch sprach, hatten wir ab sofort einen Dolmetscher und jegliche Verständigungsprobleme waren endlich gelöst. Mit zuerst vorsichtigen 20 km/h und zitternden Beinchen fuhren wir los. Im Laufe des Tages steigerten wir uns auf 50 km/h und machten unsere erste Essenspause bei einem idyllischen Wasserfall namens Tad Pasuam. Auf dem Weg kamen wir später noch bei Mr Vieng vorbei, der alleine mit seiner Frau eine Kaffee-Plantage betreibt. Vor drei Jahren hatte er diese 4-Hektar-grosse Kaffee-Plantage gekauft und pro Jahr schaffen sie es zu zweit, etwa 500 Kilogramm Kaffee zu produzieren. Dieses Jahr sei ein sehr gutes Jahr und sie hätten es geschafft, auf 600 Kilogramm zu steigern, wobei sich der Kaffeepreis versus letztem Jahr leider halbiert habe. Bei diesen Massangaben erinnerte ich mich an meine Filterkaffee-Zeit und daran, dass ich in der Lage war, in wenigen Wochen einen Pfund Kaffee zu vernichten. Im Angesicht dieser Tatsache erschienen mir 600 Kilogramm sehr wenig und ich nahm mir innerlich vor, meinen Kaffee in Zukunft mehr wertzuschätzen.

Im Anschluss ging es weiter zu unserem Tagesziel Tad Lo, ein kleines Dorf mit drei Wasserfällen, in dem wir unsere Übernachtung geplant hatten. Die letzten der insgesamt 85 Tages-Kilometer gingen über eine sogenannte «Dirt Road», die ins Dorf führte. Eine «Dirt Road» gleicht in ihrem besten Zustand einem schlechten, europäischen Feldweg; in den meisten Fällen kommen Löcher und schätzungsweise bis zu 30 cm tiefe Furchen dazu, die es zu umfahren gilt. Als kompletter Roller-Neuling selbstverständlich ein Kinderspiel. Entsprechend fertig, besonders ich, kamen wir an der ersten Unterkunft an, für die wir uns sofort einstimmig entschieden, da niemand von uns Lust oder Kraft hatte, auch nur 10 Meter weiterzufahren und weiterzusuchen. Nach mittlerweile fast sieben Wochen Reisen war dies mit 15.000 kip (umgerechnet etwa 1,70 Euro) bisher mein günstigstes Bett aber auch das, das mich am meisten Überwindung gekostet hat, da die Laken nicht den Eindruck machten, dass sie regelmässig gewaschen werden und das löchrige Moskitonetz muffelte. Mein Schlafsack-Inlay stellte sich also als lohnenswerte Investition heraus. Am späten Nachmittag liefen wir noch zu den Wasserfällen des Dorfes, wo Karmen und ich in unserer sexy laotischen Badewäsche das Wasser testeten. In Laos gehen Frauen voll bekleidet baden; um als Tourist nicht unangenehm aufzufallen und die Kultur zu respektieren, sollte man es ihnen gleichtun. Nach dem Abendessen fielen wir müde ins Bett.

Vor dem nächsten Rollertag mit geplanten 120 Kilometern hatte ich ordentlichen Respekt, da mir die Dirt Road des Vortags doch etwas zugesetzt hatte. Vor Abfahrt band die Gasthausmutter jedem von uns ein Glücksbändchen um das Handgelenk, wahrscheinlich verleitet durch die Tatsache, dass Karen ihren Roller beim Umparkieren vor dem Gasthaus umgeworfen hatte und die Gasthausmutter nun etwas Angst um uns bekommen hatte. Nach einem guten Frühstück fuhren wir dank Glücksbändchen frohen Mutes los und kamen nach einiger Zeit an eine Dirt Road Abzweigung zur «Silk and tea farm», auf der ich gern eine kurze Führung zum Thema Seidenproduktion machen wollte. Die bergige und mit extremen Furchen versehene Dirt Road zur Farm hatte sich gewaschen und als es neben einer der Furchen stark bergauf ging, konnte ich den Roller wegen mangelnder Geschwindigkeit (geschätzt etwa 5 km/h, da viel mehr auf diesen «Strassen» nicht möglich ist) nicht mehr halten und kippte in die Furche. Sofort kamen mir zwei Einheimische zur Hilfe, die mich schon vorher kritisch beäugt hatten und nun halfen, den Roller wieder aufzustellen. Ausser einer nun fälligen Spiegel-Reparatur für umgerechnet etwa 2 US-Dollar und meinem etwas angeknacksten Rollerfahr-Selbstbewusstsein, war zum Glück nichts weiter passiert. Quentin half mir, den abgesoffenen Roller neu zu starten und einige Meter weiter Richtung Silk & Tea Farm kippte auch Karen in die Furche, aber bald war der Weg geschafft und eine freundliche Schweizerin, die jedes Jahr einige Monate auf der Farm arbeitet und Führungen gibt, servierte uns einen leckeren, auf der Farm angebauten Hibiskus-Tee. Anschliessend bekamen wir eine französisch-deutsch-gemischte Führung zu Seidenraupen und ihrer gebauten Kokons. So ein Kokon besteht aus einem 900 Meter beeindruckend langem durch die Seidenraupen gesponnen Faden. Zum Abrollen werden die Kokons gekocht und die Fäden danach mehrmals gereinigt. Zum Anbau der Maulbeerblätter (Hauptnahrung für die Seidenraupen) hat die Farm etwa 500 Familien in der Umgebung unter Vertrag; laut der Schweizerin sei das grösste Problem in Laos jedoch die Zuverlässigkeit und Motivation der Beschäftigten. Neben Seide und Hibiskustee sahen wir auf der Farm eigens produziertes Zitronengrasöl, angebaute Ananas und Pfeffer sowie eine Nuss-Plantage von ursprünglich aus dem Amazonasgebiet in Peru importierten «Sacha Inchi» Nüssen und der gesamte Farm-Besuch war für mich sehr interessant.

Im Anschluss verabschiedete sich Quentin von Karen und mir, da er es etwas eiliger hatte und an diesem Tag weiter als wir fahren wollte. Vielleicht hatte er auch einfach die Schnauze voll von auf Dirt Road umkippenden Mädels, die einen 86 Kilogramm-Roller nicht alleine wieder aufstellen können… 😉 Im Speziellen ich mit dem vorsichtigsten und auch langsamsten Fahrstil unserer Truppe, aber auch Karen waren darüber nicht böse, etwas gemächlicher weiterzufahren. Im Laufe der nächsten Tage entwickelten wir zur besseren Verständigung einen neue gemeinsame Sprache, einen Mix aus Französisch, Englisch und Pantomime. In einem Gasthaus fragte uns unsere sehr gut Englisch sprechende «Gastmutter» tatsächlich, welche Sprache wir untereinander sprechen würden, da sie zwischendurch ein paar englische Wörter hörte, aber sich keinen Reim daraus machen konnte… Mischsätze, wie «Attention, you will glisser!» («Vorsicht, rutschig hier!») waren für uns völlig normal.

Um 13 Uhr kamen wir in Sekong an, wo wir während einer fast einstündigen Suche nach einem geöffneten Restaurant zum Mittagessen von den Einheimischen nur ausgelacht wurden. Scheinbar ist es hier üblich, schon viel früher zu Mittag zu essen, sodass wir am Ende mit im Tante-Emma-Laden erstandenen Chips und Keksen in der prallen Sonne sitzend, Vorlieb nehmen mussten. Entsprechend geschafft traten wir den nächsten Part unserer Tour an. Wir wurden jedoch mit der atemberaubenden Landschaft und tollen Ausblicken entlang der Landstrasse belohnt. Noch atemberaubender wurde es leider, als die baufällige Strasse die ersten Schlaglöcher für uns parat hielt. Obwohl ich auf etwa 30 km/h herunterbremste, war Karen offenbar gedanklich mehr mit der Landschaft als mit der Strasse beschäftigt, sodass sie hinter mir mit einem lauten Krachen zu Boden ging und einige Meter über den Asphalt schlitterte. Nachdem ich den Roller von ihr gezerrt hatte, konnte sie sich sofort bewegen und abgesehen von einem verstauchten Handgelenk sowie einigen, vielen Schürfwunden war der Schlitter-Unfall aber zum Glück glimpflich ausgegangen. Zusammen hatten wir schnell eine gute Erste-Hilfe-Mini-Apotheke zusammengestellt und nachdem wir etwa eine Stunde am Strassenrand verbracht hatten, um uns vom Schock zu erholen beziehungsweise Karen davor zu bewahren, in Ohnmacht zu fallen, sollte es weitergehen. Ganz wohl war mir bei dem Gedanken an Karens verstauchte Handgelenk nicht, aber eine andere Alternative fernab in der Pampa hatten wir ohnehin nicht wirklich. Leider war auch Karens Motor abgesoffen und – analog zu dem, was ich am Morgen von Quentin gelernt hatte – wollte ich den Motor zum Weiterfahren bewegen. Scheinbar immer noch im Schockzustand vergass ich leider die allerallerallerwichtigste Regel, die uns der Roller-Verleiher mit auf dem Weg gegeben hatte («Fahre NIE, NIE, wirklich NIEMALS im 1. Gang an!») und sauste mit Riesen-Tempo in die Böschung. Nach einer weiteren Mini-Schock-Erholungspause ging es dann weiter Richtung Wasserfall «Tad Katamtok» oder auch «Xe Katarm» genannt, bei dem wir auf Zivilisation hofften, um Karens Schürfwunden zu säubern und zu verbinden. Leider weit gefehlt und es sollte noch schlimmer kommen, denn nach einem kurzen Stopp am Aussichtspunkt machte Karens Roller keine Anstalten mehr, anzuspringen. Während etwa einer halben Stunde versuchten wir nun, vorbeifahrende Pick-ups anzuhalten und sie dazu zu bewegen, Karen (im besten Fall mit Roller auf der Ladefläche – oder wozu fahren hier alle mit Riesen-Pick-ups herum?) mit ins nächste Dorf zu nehmen. Die Alternative, beide Roller stehen zu lassen und zusammen per Anhalter ins nächste Dorf zu fahren, kam nicht wirklich in Frage, da unser Touren-Veranstalter uns mehrmals eindrücklich darauf hingewiesen hatte, dass im Freien abgestellte Motorroller mit hoher Wahrscheinlichkeit geklaut werden. Die Alternative, zu zweit auf einem Roller weiterzufahren, trauten wir uns angesichts unserer wackligen Beinchen (ich glaube, wir beide waren gedanklich noch zu stark mit dem Unfall beschäftigt) auch nicht wirklich zu. Genau die Hilfsbereitschaft, die von in Asien reisenden Backpackern immer so hoch gelobt wird, vermissten wir leider in diesem Moment. Vielleicht sahen wir auch zu fertig aus oder Karen zu blutig, aber nur etwa jedes dritte Auto hielt überhaupt an. Die meisten lachten, wenn wir sie ansprachen – genau das, was man gebrauchen kann, wenn man absolut fertig in der anbrechenden Dämmerung steht und man wegen einer massstabsungenauen Karte nicht einmal weiss, wie weit es bis zum nächsten Dorf, geschweige denn Gasthaus oder Tankstelle ist. Zur Verteidigung der laotischen Hilfsbereitschaft muss ich sagen, dass wir angesichts dessen, dass wirklich niemand Englisch sprach, – verzweifelt wie wir waren – unseren kompletten pantomimischen Wortschatz auspackten und dass das vielleicht den Einen oder Anderen zum Lachen bewegte. Nach einer gefühlten Ewigkeit fanden wir einen Laoten, der sich bereiterklärte, Karen (leider ohne Roller) in seinem hochmodernen, innen und aussen mit blauen LEDs verzierten Disco-Pick-up mitzunehmen. Wir verabschiedeten uns mit feuchten Augen, da wir beide nicht wirklich wussten, wann und wo wir uns überhaupt wiedersehen würden. Nach Aussage der vorbeifahrenden Laoten war es 12 Kilometer bis zum nächsten «Etwas». Was genau in 12 Kilometern kommen würde, konnte uns leider aufgrund nicht vorhandenem Englisch niemand erklären und mir wurde ziemlich mulmig, als ich alleine auf der Rollsplitt-Piste in mit einem zielstrebig auf die Reserve zusteuernden Tank in der mittlerweile kompletten Dunkelheit weiterfuhr. Die Fahrt kam mir wie eine halbe Ewigkeit vor… Irgendwann kam ein Roller dicht an mich herangefahren und ich traute meinen Augen kaum, als ich Karen in der Dunkelheit hinten auf dem Roller erkannte. Sie hatte sich im nächsten Dorf vom Pick-up-Fahrer absetzen lassen (der Fahrer hatte als Gegenleistung ein Selfie mit ihr eingefordert, das er stolz auf Facebook postete – es war also auch ein überaus spannender Tag für ihn…) und eine Werkstatt gefunden. Nachdem der Vater des Werkstattinhabers ihr verstauchtes Handgelenk mit Salbe massiert hatte, konnte sie den Inhaber überreden, noch im Dunkeln ihren Roller zu reparieren und zu holen und erklärte mir hastig, dass wir uns im nächsten Dorf in einem Gasthaus treffen würden. Nach weiteren fünf Minuten Fahrt hatte ich endlich das angekündigte Gasthaus erreicht. Als Karen nach weiteren anderthalb Stunden samt repariertem Roller in die Einfahrt einbog, fielen wir uns erleichtert in die Arme, wie Freunde, die sich seit zehn Jahren nicht gesehen haben. Den Kilometer zum nächsten Restaurant für unser Abendessen liefen wir dann zu Fuss, denn keiner von uns beiden hatte an diesem Abend noch Lust, den Roller auch nur einen Meter zu bewegen.

Gut erholt nach unserer Nacht im «Luxus-Gasthaus» mit warmer (!) Dusche fuhren wir am nächsten Morgen nach dem Frühstück nochmals an der Werkstatt vorbei, da Karens Roller nicht wirklich zuverlässig startete und wir nicht einen weiteren Tag auf der Strasse verschwenden wollten. Als Karens Roller repariert war, zeigte ich meinen zerbrochenen Seitenspiegel und wollte den Reparaturpreis erfragen. Die Werkstattsfamilie lachte uns gesammelt aus und ohne Antwort geschweige denn Spiegel-Reparatur machten wir uns zum eigentlichen Tagesziel des Vortags auf den Weg, auf einer Dirt Road zu einem idyllischen Bungalow-Zelt-Gasthaus in der Pampa bei «Tad Tayiscua», das als Ausgangspunkt für Wanderungen zu fünf hübschen Wasserfällen dient. Den Tag liessen wir es etwas ruhiger angehen und besuchten drei der fünf Wasserfälle, in denen ich nun leider alleine baden musste, da Karen ein Bad mit ihren Schürfwunden nicht riskieren wollte. Abends trafen wir dort auch wieder auf Quentin, der uns die Geschichte vom Vortag kaum glauben wollte. Das Bungalow-Zelt-Lager ist eins dieser Orte, an denen man nach Sonnenuntergang nichts wirklich mehr machen kann; also waren wir um 21 Uhr im Bett.

Für den nächsten Tag hatten wir mit insgesamt 120 Kilometern die Rückfahrt nach Pakse geplant. Leider schüttete es in Strömen, als um 7 Uhr der Wecker ging, sodass wir angesichts der wahrscheinlich nun unpassierbaren Dirt Road im Zelt liegen blieben. Nach dem Frühstück (für mich gab es leckeren Ameisenreis… grrrr…) ergriffen wir in einer kurzen Regenpause gegen 11 Uhr mit Quentin die Chance und machten uns auf den Weg. Nach einer knappen Stunde war die 11 Kilometer lange, anstrengende Dirt Road geschafft. Nach einer kurzen Kaffeepause verabschiedete sich Quentin von uns, der es etwas eiliger Richtung Pakse hatte. Karen hatte es beim Anfahren, vom Café kommend, auch etwas eiliger, rutschte auf dem nassen Holzsteg weg und ging samt Roller ein weiteres Mal zu Boden. Die Stimmung war verständlicherweise etwas angeschlagen und die Weiterfahrt Richtung Pakse führte durch Nieselregen, der sich leider sehr bald in stark strömenden Regen verwandelte. Karen war in ihrem umfunktionierten Müllsack nach 20 Kilometern komplett durchgeweicht und zitterte dementsprechend am ganzen Körper. Dank Regenjacke war ich zum Glück noch relativ trocken und fit (Merke: es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falsche Kleidung… 😉 ) So stellten wir uns bei einem Fabrikgelände am Strassenrand unter und die Arbeiter beäugten uns kritisch, als ich Karen dazu motivierte, ihre klatschnasse Kleidung auszuziehen und meine restlichen mitgebrachten Oberteile überzustreifen. Ein paar Minuten später kam ein Mann, wahrscheinlich der Fabrikleiter, aus der Fabrik auf uns zu. Nach der Hilfsbereitschaft, die wir in den Vortagen erlebt hatten, dachten wir beide, er würde uns wegschicken, da wir im Weg standen und dies nun wirklich kein Roller-Stellplatz war. Stattdessen brachte er uns zwei Regencapes; und zwar keine billigen Festival-Dinger, sondern richtig super stabile Capes. Als er sah, wie Karen am ganzen Leib schlotterte, wurde er sehr energisch und deutete uns an, die Roller an Ort und Stelle stehen zu lassen und uns durch das Fabrikgelände zu folgen. Da er kein Englisch sprach und wir absolut nicht wussten, was er genau vorhatte, zögerten wir etwas, was ihn noch energischer mit den Händen fuchteln liess, sodass wir ihm durch zwei Fabrikhallen folgten. Wir kamen vor einer grossen Maschine zum Stehen, die durch einen grossen Ventilator warme «Abluft» in unsere Richtung pustete. Während wir von dieser genialen Idee und Hilfsbereitschaft total verblüfft dastanden, war er schon wieder verschwunden, um einen Rollwagen zu holen, auf den wir unsere Wäsche zum Trocknen hängen konnten sowie Gemüsekisten zum Sitzen. Ein paar Minuten später kamen zwei laotische Mädels (die einzigen Frauen, die wir in der Fabrik sahen) und brachten uns zwei Milchkaffees. Gemessen an ihrer Begeisterung über unser Dasein (sie fragten mich nach meinem Namen und meiner Handynummer…) kommen nicht jeden Tag so durchweichter Ausländer bei ihnen vorbei. Um die Kommunikation zu erleichtern, schickte der Fabrikleiter einen weiteren Mitarbeiter zu uns, der anderthalb Jahre in Spanien gelebt hatte, sodass ich mit ihm zumindest ein paar Worte sprechen konnte, während Karen auf ihrer Gemüsekiste vor dem Ventilator einen Mittagsschlaf hielt und wieder zu Kräften kam. Ich hätte sehr gern mehr über die Fabrik erfahren; auf dem Weg durch die Hallen sahen wir Ingwer; aber uns war die Situation schon unangenehm genug und so wollte ich den Mitarbeiter nicht auch noch länger vom Arbeiten abhalten. Nach anderthalb Stunden Pause in der Fabrik wurde es höchste Zeit, weiterzufahren; schliesslich mussten wir meinen Nachtbus um halb acht erwischen, geschweige denn, dass es ab halb sechs dunkel wird und wir nun wirklich keine Lust auf eine weitere Nachtfahrt hatten. Wir bedankten uns einige Male beim Fabrikleiter und zum Abschied schrieb er auf seine Hand: «Happy tour to you!» Scheinbar sprach, oder zumindest schrieb er also doch Englisch und schämte sich vielleicht nur Englisch zu sprechen? Nach einer weiteren Essenspause in Paksong schafften wir es auf 18 Uhr nach Pakse, wo wir sehr glücklich, aber komplett k.o. unsere Roller abgaben. Der französische Tour-Veranstalter war von den Roller-Blessuren nicht grossartig beeindruckt; ich nehme an, dass wahrscheinlich jeder vierte Roller mit zerbrochenem Spiegel zurückgegeben wird.

Nach einem gemeinsamen Abendessen mit Karen & Quentin verabschiedete ich für meine allererste Nachtbus-Fahrt nach Vientiane, der Hauptstadt von Laos. Im Gedanken entschuldigte ich mich bei meiner Nachtbus-Bettnachbarin, einer netten und zum Glück sehr zierlichen Koreanerin, da man als Alleinreisender ein jeweils ca. 1,20 Meter breites Bett mit einer komplett fremden Person teilt; schliesslich hatte ich seit zwei Tagen nicht mehr geduscht (wenn man die unfreiwillige Regendusche nicht mitzählt…). Ausser meinem Sturz in die Fahrerkabine, als ich nachts im Dunkeln vom «Hochbett» Richtung Toilette laufen wollte und mit meinem Fuss die Leiter verfehlte, war die Fahrt relativ unspektakulär, dafür aber umso kurviger.

Si Phan Don & die 4000 Inseln

Am 8.1. machte ich mich per Bus auf den Weg Richtung Stung Treng, eine kleinere Stadt in der Nähe der Grenze zur Laos. Im Bus traf ich auf Ben aus Neuseeland, den ich beim Trekking kennengelernt hatte und war ganz froh, die Ausreise und Einreise nach Laos am folgenden Tag nicht alleine meistern zu müssen. Am Ende lief aber alles grössere Komplikationen und nach einer weiteren Bus- und Bootsfahrt sowie 20-minütigem Spaziergang inklusive 15 Kilogramm-Backpack konnte ich meinen kleinen Bungalow auf Don Det beziehen. Don Det ist Teil der Region Si Phan Don im Süden von Laos, auch bekannt als Region der 4000 Inseln, wobei dafür jeder noch so kleine aus dem Mekong-Fluss ragende Busch mitgezählt wird. Nachmittags fand ich ein kleines Café und hatte meinen ersten Kaffee mit RICHTIGER Milch seit meinem Aufbruch aus der Schweiz. (Als Milch verwenden die Kambodschianer und Laoten hier im Normalfall eine Kondensmilch, die einer honigartigen, klebrigen Dosenmilch ähnelt). Im Café arbeitete eine Deutsche, die zurzeit samt ihrem 10-jährigen Sohn auf der Insel wohnt und ihn fern-unterricht. In den folgenden Tagen war ich häufiger bei ihr, natürlich nicht nur wegen des guten Kaffees, sondern auch, weil sie mich mit ihrer Persönlichkeit und ihrem Mut stark beeindruckt hatte.

Am gleichen Abend ging ich, auf ihre Empfehlung hin, noch bei einem Kayak-Touranbieter vorbei, um Infos einzuholen. Andi, ein vertrauenswürdig aussehender Deutscher*, der soeben für den nächsten Tag gebucht hatte, überredete mich, die Tour am nächsten Morgen mit ihm anzutreten. Die Nacht in meinem schnuckeligen Bungalow wurde dann leider nicht einmal halb so entspannt, wie ich mir ausgemalt hatte. Ab 2h30 lag ich bis morgens durchgehend wach, die meiste Zeit mit angeschaltetem Licht. Die starken Geräusche unter dem Kopfende meines Betts stellten sich irgendwann als mindestens eine Ratte heraus, weswegen ich am nächsten Morgen um 7h auscheckte und mir noch vor der Kayaking-Tour eine neue Bleibe suchte. Nach einem ausgiebigen Frühstück konnte die Kayak-Tour über den Mekong-Fluss dann losgehen, unterbrochen von Mini-Spaziergängen zu zwei Wasserfällen sowie einer Sichtigungspause der stark vom Aussterben bedrohten Irawadi-Delfinen auf dem Mekong. (Ich habe angeblich als Einzige unserer Gruppe keinen einzigen Delfin gesehen und behaupte bis heute, dass alle «DAAAAA-Ausrufe» ein einziger Fake waren…). Um trotzdem für ein bisschen Abwechslung und Spass in der Gruppe zu sorgen, ging ich – auch als Einzige – in einer Stromschnelle über Bord. Ein paar Sekunden vorher hatte ich Andi noch von hinten rufen hören: «Keine Sorge, das pack mer…» Kayaking auf dem Mekong kann jeder, aber daneben herschwimmen und wieder einsteigen – tja, das will gelernt sein. So. Bei der Gelegenheit testete ich auch meine (eigentlich für Regenwanderungen gekauften) Deuter Dry Sacks und kann an dieser Stelle eine klare Kauf-Empfehlung aussprechen. Zur Belohnung für den anstrengenden Kayak-Tag gab es zum Abendessen für mich den für Don Det berühmt-berüchtigten Kürbis-Burger (auch hierfür eine klare Kauf-Empfehlung!). Nach dem Abschied von Andi nutzte ich den nächsten und meinen letzten Tag auf Don Det zum Ausschlafen, Kaffeetrinken, Auskurieren einer kurzfristigen gefühlten Mini-Grippe, Wäschewaschen, Blogschreiben und zu einer Fahrradtour bei Sonnenuntergang über die Insel.

 * ich muss das schreiben, da er eventuell mitliest… 😉

Trekking & Elefanten in Mondulkiri

Am 5.1. früh morgens ging es für mich per Bus Richtung Mondulkiri, genauer gesagt Sen Monorom, auf die ich durch die Geschichten von Phiêp, der aus dieser Region stammt, schon sehr gespannt war [siehe meinen Blog-Beitrag vom 09.01.16]. Kurz vor Abfahrt traf ich auf Michèle aus der Schweiz und Clay aus Kalifornien, der durch grossen Zufall die gleiche Trekkingtour für die nächsten zwei Tage gebucht hatte. Da Clay als einziger von uns eine Unterkunft in einem Bungalow-Dorf gebucht hatte, folgten wir ihm und es gab tatsächlich noch ein freies Holz-Bungalow für Michèle und mich. Clay, der den Fehler gemacht hatte, an der «Autobahn-Raststätte» Mittag zu essen, verbrachte den Nachmittag und Abend über dem Klo (jeden erwischt es hier nun mal irgendwann…), aber war wider Erwarten am nächsten Morgen zum Aufbruch unserer Wanderung wiederhergestellt.

So ging es am ersten Tag in einer insgesamt 12-köpfigen, lustigen Wandergruppe 18 für mich sehr anstrengende Kilometer durch den Dschungel und tolle Landschaften über Stock und Stein, vorbei an zwei schönen Wasserfällen. Nach dem ersten Hardcore-Anstieg in der Hitze war ich dem Verkaufsberater von Globetrotter sehr dankbar, dass er mich überredet hatte, meine hohen Wanderschuhe mit auf Reisen zu nehmen. Nachmittags erreichten wir die Dschungel-Hütte, in der wir übernachten sollten. Nach einem traditionellen Bunang-Abendessen (so nennen sich die Ureinwohner-Stämme der Mondulkiri Region, zu denen auch Phiêp gehört), war die gesamte Wandergruppe schon um halb acht abends bettreif (oder sollte ich sagen hängemattenreif?). Trotzdem zwangen wir uns zu einigen Runden Kartenspielen, die sehr lustig wurden, da wir unserem Bunang-Führer trotz grossen Verständigungsproblemen UNO beibrachten. Am Ende konnte er sogar die vier Farben auf Englisch. Die Nacht verbrachten wir anschliessend in Militär-Hängematten mit integriertem Moskitonetz (Kinder, was es alles gibt…). Hat von euch schon mal jemand versucht, sich um zwei Uhr nachts im Dunkeln aus einem Schlafsack in einer Hängematte zu schälen, ohne dabei die anderen Hängematten-Nachbarn aufzuwecken? Nachdem ich mir zwei weitere Lagen inklusive meiner Regenjacke angezogen hatte, war mir endlich warm genug, um die restlichen Stunden zu schlafen. Die Mehrheit unserer Gruppe war am nächsten Morgen relativ erschlagen (so eine Hängematte mag sich höchstens für einen guten Mittagsschlaf eignen…); trotzdem freuten wir uns auf den bevorstehenden Tag, an dem wir die fünf Dschungel-Elefanten kennenlernen, füttern und baden durften. Die Elefanten wurden im Rahmen des Mondulkiri Projekts in den letzten Jahren aufgekauft, um sie aus Touristen-Reit-Aktivitäten oder sonstigen Misshandlungen zu retten und zu schützen. Nachmittags wurden wir per Pick-up aus dem Dschungel abgeholt und im Dorf abgesetzt.

Im Dorf angekommen wollten Clay und ich noch schnell unsere Bus-Weiterfahrt für den nächsten Tag buchen. Clay war nach den zwei Tagen Trekking offensichtlich so mitgenommen, dass er eine Styropor-Kühlbox im Busbüro für einen Sitzhocker hielt und samt Trekking-Rucksack darin einbrach. Ich gab mir grösste Mühe, meinen Lachanfall zu unterdrücken; die Dame am Ticketschalter war nämlich leider gar nicht amüsiert und bat ihn zur Kasse. Danach ging es für uns auf EINEM Motorroller-Taxi samt Trekking-Rucksäcken zurück zum Holz-Bungalow (ich musste zum Glück nicht hinten sitzen…). In abgelegenen, untouristischeren Gebieten hat man hier teils keine Alternative zum Motorroller-Taxi und kann froh sein, wenn man überhaupt eines findet, sodass ich meine Phobie langsam ablegen musste.

Traurige Realität und Meditations-Session in der Hauptstadt Phnom Penh

Am 3.1. in Phnom Penh angekommen, nutze ich den Nachmittag noch, um die Stupa Wat Phnom auf einem kleinen künstlich angelegten Hügel in der Nähe des Hostels zu besichtigen.

Nachdem ich am Vorabend in Phnom Penh angekommen war, hatte ich für den nächsten Tag mit Christina, Ralf und Woo-Ju eine Tuk Tuk Tour zu den Killing Fields in Choeung Ek und zum ehemaligen Foltergefängnis S-21 während der Khmer Rouge Zeit gebucht. Uns allen war vorab klar, dass dies eher ein trauriger Tag unserer Reise werden würde; zu einem Urlaub in Kambodscha gehört dies aber zum Pflichtprogramm, da die Geschichte bis heute starke Auswirkungen auf die Wirtschaft und Bevölkerung Kambodschas hat. Da ihr als Leser meines Blogs Teil meiner Kambodscha-Reise seid, möchte ich euch diesen Teil nicht vorenthalten. Wer zart besaitet ist, sollte die nächsten zwei Absätze vielleicht besser überspringen…

Die Killing Fields ist ein Gelände, zu dem die Menschen während der khmer Rouge Zeit gebracht wurden, und ermordet und verscharrt wurden. Obwohl die meisten Gebäude nach 1979 von den khmer Rouge zur Verdeckung der Schandtaten zerstört wurden, lässt noch einiges an die schlimme Zeit erinnern, wie zum Beispiel einige Kulen, aus denen im Nachhinein Knochen und Schädel ausgegraben wurden, Kleidung der Ermordeten, eine grosse Schädel- und Knochensammlung samt Analyse des «Mordwerkzeugs». Am schlimmsten war für mich der Killing Tree anzusehen, an dem Kleinkinder und Babies wie ein auszuklopfender Teppich brutal totgeschlagen wurden. Bei so viel Grausamkeit fühlte ich mich den ganzen Tag an die deutsche Geschichte und den Holocaust erinnert, zu dem es erschreckend viele Parallelen gab.

Das Foltergefängnis S-21 wurde damals aus einem Schulgelände umgebaut, um die Bevölkerung einzusperren, zu foltern und zu Geständnissen zu von „Straftaten“  zu zwingen, die sie nicht begangen hatten. Neben den Folterzellen und einigen Informationen zum «Leben» dort, gab es einige Hintergrundinformationen zu Pol Pot, dem Diktator und Drahtzieher während der khmer Rouge Zeit und eine grosse Foto-Ausstellung aller Ermordeten. Auf der Rückfahrt fühlte ich mich, als wäre ich gerade von einer Beerdigung gekommen.

Den Nachmittag haben wir noch genutzt, um ein paar Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt im Schnelldurchlauf anzuschauen, wie den Royal Palace & Silver Pagoda und das Independence Monument, das an die Unabhängigkeit Kambodschas von Frankreich im Jahre 1953 erinnert. Für den Abend konnte ich Ralf und Woo-Ju zu einer freien, einstündigen Meditations-Session im Wat Langka begeistern. Am Eingang drückte uns ein Mönch einen kleines Meditations-Büchlein mit den wichtigsten Grundregeln in die Hand und deutete auf einen Stapel Matten und Kissen. Nach unserem Tagesprogramm fiel es uns allen schwer, uns strikt nur auf die Atmung zu konzentrieren. Dass Woo-Ju, direkt vor mir sitzend, alle paar Minuten die Sitzposition änderte, weil er einfach keine komfortable Position finden konnte, liess mich grinsen und machte das Meditieren nicht einfacher… =) Das mit dem Meditieren werde ich also an anderer Stelle sicher nochmals ausprobieren. Alles in allem habe ich den Tag in Phnom Penh trotz des überwiegend traurigen Tagesprogramms dank unserer lustigen Truppe trotzdem genossen.